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Heimwerker-Berater

Nistkasten mit Kamera

Gartenvon Christoph4 Min. · 9 Abschnitte
Inhalt9 Abschnitte
  1. Wie so ein Kasten aufgebaut ist
  2. Kabel oder WLAN
  3. Strom: die eigentliche Frage
  4. Nachtsicht mit Infrarot
  5. Einbau und richtiger Zeitpunkt
  6. Beobachten ohne zu stören
  7. Aufnahmen und Speicher
  8. Kosten
  9. Häufige Fragen

Ein Nistkasten mit eingebauter Kamera zeigt, was sonst verborgen bleibt: den Nestbau, das Gelege, das Füttern im Minutentakt und die letzten Tage vor dem Ausfliegen. Der große Vorteil ist, dass niemand mehr den Kasten öffnen muss – denn jede Störung während der Brut ist ein Risiko für die Jungen.

Wie so ein Kasten aufgebaut ist

Im Dach oder in der Rückwand sitzt eine kleine Kamera mit Weitwinkelobjektiv, die von oben auf das Nest schaut. Daneben liegen Infrarot-Leuchtdioden, die den dunklen Kasten ausleuchten. Das Bild geht per Kabel oder Funk an einen Fernseher, einen Rechner oder das Smartphone. Viele Sets haben auch ein Mikrofon – das Piepen der Jungvögel gehört zum Reiz dazu.

Es gibt fertige Kästen mit Kamera und Kameras zum Nachrüsten, die in einen vorhandenen Kasten geschraubt werden. Wichtig ist, dass der Kasten selbst die Anforderungen der jeweiligen Vogelart erfüllt; worauf es dabei ankommt, steht bei Nistkasten für Meisen.

Kabel oder WLAN

VerbindungStärkeSchwäche
Kabel (Video oder Netzwerk)stabiles Bild, Strom über dasselbe Kabel möglichKabel muss verlegt werden, begrenzte Länge
WLANkeine Leitung zum Haus, Bild auf dem Smartphonebraucht guten Empfang am Kasten, Strom trotzdem nötig
Mobilfunk oder Akku mit Solarvöllig unabhängig vom Hausteurer, Akku muss den Winter überstehen

Kabelgebundene Sets liefern oft 20 bis 30 m Leitung mit. Das reicht für einen Kasten am Haus oder im nahen Garten. Netzwerkkameras mit Stromversorgung über das Netzwerkkabel (PoE) sind die sauberste Lösung, wenn man ohnehin ein Kabel legt: eine Leitung für Bild und Strom.

WLAN klingt bequemer, ist es aber nur, wenn der Empfang stimmt. Ein Kasten 20 m vom Haus hinter einer Hauswand bekommt oft kein stabiles Signal. Vorher mit dem Smartphone an der geplanten Stelle den Empfang prüfen, gegebenenfalls einen Außen-Repeater einplanen.

Strom: die eigentliche Frage

Auch eine WLAN-Kamera braucht Strom. Möglich sind ein Netzteil mit Kabel, ein Akku, der regelmäßig geladen werden muss, oder ein kleines Solarmodul mit Pufferakku. Ein Solarmodul muss sonnig hängen, der Nistkasten aber möglichst nicht – das Modul gehört deshalb getrennt auf einen besonnten Platz. Außensteckdosen und Leitungen im Freien müssen für den Außenbereich geeignet und über einen FI-Schutzschalter abgesichert sein.

Nachtsicht mit Infrarot

Im Kasten ist es dunkel. Infrarot-LEDs beleuchten das Nest für die Kamera, ohne dass es für uns hell wird. LEDs mit 940 nm Wellenlänge glimmen nicht sichtbar, solche mit 850 nm leuchten schwach rötlich. Für den Nistkasten sind die unsichtbaren die bessere Wahl. Die Kamera schaltet dabei auf Schwarzweiß um; Farbbilder gibt es nur bei Tageslicht, das durch das Flugloch oder ein kleines Fenster fällt.

Einbau und richtiger Zeitpunkt

  1. Im Herbst oder Winter einbauen. Wenn im März die Nestsuche beginnt, muss alles fertig sein. Nachträgliches Basteln an einem besetzten Kasten ist tabu.
  2. Kamera oben mittig, mit ausreichend Abstand zum Nest. Brütende Vögel bauen das Nest oft höher als gedacht.
  3. Kabel sauber führen. Keine Kabel innen im Kasten, an denen sich Vögel verfangen könnten. Die Durchführung abdichten.
  4. Bildausschnitt einstellen, solange der Kasten noch leer ist. Ein Stück Stoff in Nestgröße hilft beim Fokussieren.
  5. Testlauf über einige Tage, auch nachts und bei Regen.

Beobachten ohne zu stören

Die Kamera nimmt die Störung weg, die Neugier bleibt. Klopfen, Öffnen, Nachsehen „ob alles in Ordnung ist“ sollte auch mit Kamera unterbleiben. Die Vögel bemerken Menschen, die sich regelmäßig vor den Kasten stellen. Wer den Kasten in Sichtweite des Fensters aufhängt, beobachtet Anflug und Fütterung von innen.

Manchmal geht eine Brut schief. Eier werden nicht ausgebrütet, Jungvögel sterben bei Kälte oder Futtermangel. Das gehört zur Natur, auch wenn es auf dem Bildschirm schwer auszuhalten ist. Eingreifen hilft fast nie.

Aufnahmen und Speicher

Viele Kameras speichern Bewegungsclips auf einer Speicherkarte oder in einer App. Das ist praktisch, weil man die spannenden Momente nicht verpasst. Eine Bewegungserkennung löst bei brütenden Vögeln allerdings ständig aus; eine Zeitraffer-Funktion oder feste Aufnahmezeiten sind oft sinnvoller. Wer Aufnahmen in einer Cloud speichert, sollte wissen, wo die Daten landen.

Kosten

Einfache Kameras zum Nachrüsten mit Kabel beginnen bei etwa 40 bis 60 Euro. Komplette Nistkästen mit WLAN-Kamera liegen meist zwischen 80 und 200 Euro, Solar- oder Mobilfunklösungen darüber.

Häufige Fragen

Stört das Infrarotlicht die Vögel?

Vögel nehmen das Licht der üblichen Infrarot-LEDs nach heutigem Wissen praktisch nicht wahr. Die Bruterfolge in Kamerakästen sind nicht schlechter als in normalen Kästen, sofern der Kasten selbst stimmt.

Welche Vögel kann ich beobachten?

Alles, was Nistkästen annimmt: Meisen, Sperlinge, Kleiber, Stare, bei Halbhöhlen auch Rotkehlchen und Rotschwanz. Für Halbhöhlen siehe Nistkasten für Rotkehlchen.

Kann ich die Kamera selbst in einen Kasten bauen?

Ja. Viele Kameramodule sind klein genug für jeden Standardkasten; im Eigenbau lässt sich das Dach gleich etwas höher planen. Maße stehen unter Nistkasten selber bauen.

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