Zum Inhalt springen
Heimwerker-Berater

Thermoholz

Haus & Bauvon Christoph4 Min. · 9 Abschnitte
Thermoholz
Inhalt9 Abschnitte
  1. Was bei der Wärmebehandlung passiert
  2. Die Kehrseite: spröde und weniger belastbar
  3. Welche Holzarten es gibt
  4. Einsatz an Terrasse und Fassade
  5. Im Bad und in der Sauna
  6. Die Farbe hält nicht ewig
  7. Verarbeitung: worauf es ankommt
  8. Typische Fehler
  9. Häufige Fragen

Thermoholz ist gewöhnliches Holz – meist Kiefer, Fichte, Esche oder Buche –, das unter Luftabschluss stark erhitzt wurde. Danach nimmt es deutlich weniger Wasser auf, verzieht sich weniger und hält draußen viel länger. Der Preis dafür ist Festigkeit: Thermoholz wird spröder und gehört nicht in tragende Bauteile.

Was bei der Wärmebehandlung passiert

Das Holz wird in einer Kammer schrittweise auf Temperaturen von grob 160 bis 230 °C gebracht, je nach Verfahren und Holzart. Damit es nicht brennt, geschieht das unter Wasserdampf, Stickstoff oder in heißem Öl, also praktisch ohne Sauerstoff. Industriell hergestellt wird Thermoholz seit den 1990er-Jahren, entwickelt vor allem in Finnland.

Bei dieser Hitze verändern sich die Hemicellulosen im Holz – genau die Bestandteile, die Wasser binden und Pilzen als Nahrung dienen. Das Ergebnis:

  • Weniger Feuchteaufnahme. Die Ausgleichsfeuchte sinkt etwa auf die Hälfte, das Holz quillt und schwindet entsprechend weniger.
  • Höhere Dauerhaftigkeit. Aus Kiefer oder Esche, die unbehandelt draußen schnell verrotten, wird ein Holz, das mit vielen Tropenhölzern mithalten kann.
  • Durchgehend dunkle Farbe. Je höher die Temperatur, desto dunkler – und zwar bis in den Kern, nicht nur an der Oberfläche.
  • Geruch. Frisches Thermoholz riecht einige Wochen leicht rauchig.

Chemischer Holzschutz ist nicht im Spiel. Das macht Thermoholz für viele zur Alternative sowohl zu Tropenholz als auch zu kesseldruckimprägniertem Holz.

Die Kehrseite: spröde und weniger belastbar

Die Biegefestigkeit sinkt je nach Behandlung spürbar, das Holz bricht eher, als dass es sich biegt. Für Balken, Pfosten, Treppenwangen oder die Unterkonstruktion einer Terrasse ist Thermoholz deshalb die falsche Wahl. Auch Schrauben ohne Vorbohren sind riskant: An den Enden reißt das Holz gern aus.

Zweiter Punkt: Die Oberfläche ist weicher und empfindlicher gegen Stöße. Eine Terrasse aus Thermo-Kiefer bekommt unter Gartenmöbeln schneller Dellen als eine aus harter Esche oder Bangkirai.

Welche Holzarten es gibt

Thermo-KieferGünstigste Variante, weich, gut für Fassade und Sichtschutz, als Terrassendiele nur bei mäßiger Belastung.
Thermo-FichteLeicht, formstabil, vor allem Fassadenprofile und Verkleidungen.
Thermo-EscheHart, schwer, sehr dauerhaft – die übliche Wahl für hochwertige Terrassendielen.
Thermo-BucheHart, aber stärker arbeitend als Esche; eher für Möbel und Innenausbau.
Thermo-Espe/PappelHarzfrei, splittert kaum – klassisch für Saunabänke und Bad.

Einsatz an Terrasse und Fassade

Auf der Terrasse ist Thermoholz inzwischen ein Standard. Die Dielen liegen auf einer Unterkonstruktion aus dauerhaftem, festem Material – Hartholz, Aluminium oder Lärche –, nicht auf Thermoholz selbst. Einzelheiten zu Abständen und Gefälle stehen bei der Unterkonstruktion der Holzterrasse, die Wahl der Dielen bei den Terrassendielen aus Holz.

An der Fassade spielt Thermoholz seine Formstabilität aus. Profilbretter als Stülp-, Rhombus- oder Boden-Deckel-Schalung bleiben gerade und schließen dicht. Übliche Querschnitte sind etwa 21 × 115 mm oder 21 × 135 mm, bei Terrassendielen auch deutlich dicker, Längen häufig um 4 bis 5 m.

Im Bad und in der Sauna

Im Bad nimmt Thermoholz Dampf und Spritzwasser gelassener hin als unbehandeltes Holz. Für Wandverkleidung, Waschtischplatte oder Duschrost ist es brauchbar – dauerhaft stehendes Wasser verträgt aber auch Thermoholz nicht. Sorgen Sie dafür, dass es nach dem Duschen abtrocknen kann, und lüften Sie das Bad ohnehin gut.

Thermoholz im Badezimmer
Thermoholz im Badezimmer | Foto: hemul75 / Depositphotos.com

In der Sauna ist Thermo-Espe beliebt, weil sie kein Harz austreten lässt und sich auch bei Hitze nicht so stark aufheizt wie dunkle Harthölzer.

Die Farbe hält nicht ewig

Das warme Braun ist nicht UV-beständig. Nach ein bis zwei Sommern ist unbehandeltes Thermoholz im Freien silbergrau. Das ist kein Schaden, die Dauerhaftigkeit bleibt. Wer das Braun behalten will, muss pigmentiertes Öl auftragen und das regelmäßig wiederholen, auf der Terrasse meist jedes Jahr.

Eine Entscheidung vorab spart Ärger: Grau werden lassen oder pflegen. Beides mischen – mal ölen, mal nicht – führt zu einer fleckigen Fläche.

Verarbeitung: worauf es ankommt

  1. Nur Edelstahlschrauben. A2 genügt meist, bei Esche und in Küstennähe A4. Verzinkte Schrauben hinterlassen schwarze Flecken.
  2. Vorbohren und senken. Besonders an Brettenden, sonst reißt das spröde Holz aus.
  3. Hirnholz versiegeln. Frische Schnittkanten mit Hirnholzwachs oder Öl schließen, dort zieht sonst Wasser ein.
  4. Fugen einhalten. Thermoholz arbeitet weniger, aber nicht gar nicht. Bei Dielen rund 5 bis 7 mm Fuge lassen.
  5. Staubschutz tragen. Der Schleif- und Sägestaub ist fein und reizt stark – Maske mindestens FFP2.

Typische Fehler

  • Tragende Teile aus Thermoholz. Pfosten oder Balken brechen früher als erwartet.
  • Dielen direkt auf dem Boden. Auch Thermoholz braucht Hinterlüftung und darf nicht in Staunässe liegen.
  • Zu kurze Auflagerabstände. Wegen der geringeren Festigkeit eher enger als bei unbehandeltem Holz verlegen, Herstellerangabe beachten.
  • Mit dem Hochdruckreiniger gereinigt. Die weiche Oberfläche wird faserig und rau.

Häufige Fragen

Wie lange hält Thermoholz im Freien?

Bei guter Konstruktion – hinterlüftet, ohne Staunässe – mehrere Jahrzehnte, bei Thermo-Esche mehr als bei Thermo-Kiefer. Die Konstruktion entscheidet mehr als die Holzart.

Ist Thermoholz teuer?

Es liegt meist über heimischer Lärche oder Douglasie, aber unter vielen Tropenhölzern. Thermo-Esche ist deutlich teurer als Thermo-Kiefer.

Kann ich Thermoholz im Ofen verbrennen?

Unbeschichtetes Thermoholz ist chemisch unbehandelt und gilt in der Regel als naturbelassenes Holz. Geöltes oder lackiertes Holz gehört dagegen zum Altholz auf den Wertstoffhof. Fragen Sie im Zweifel dort nach.

Ist es ökologisch?

Heimische Hölzer statt Tropenholz und kein Biozid – das spricht dafür. Die Erhitzung kostet Energie, doch ein Teil davon stammt meist aus den Abgasen des Prozesses selbst.

Das könnte Sie auch interessieren