Bodenfliesen streichen - wir zeigen wie

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Bodenfliesen lassen sich streichen, aber nicht mit jeder Farbe und nicht überall. Wandfliesen verzeihen fast alles, Bodenfliesen dagegen müssen Schuhsohlen, Stuhlbeine und Wischwasser aushalten. Wer hier mit gewöhnlichem Lack arbeitet, sieht nach einigen Wochen die ersten Laufstraßen. Mit der richtigen Beschichtung und gründlicher Vorbereitung hält ein Anstrich dagegen einige Jahre.
Wann sich Streichen lohnt
Streichen ist eine günstige Lösung für Mietwohnungen, Übergangsjahre oder für Böden, bei denen das Herausreißen viel Dreck und Folgekosten verursachen würde – etwa die braunen oder orangefarbenen Fliesen aus den 1970er Jahren, die sonst noch einwandfrei liegen. Es lohnt sich nicht bei gesprungenen, hohl liegenden oder wackelnden Fliesen: Die Farbe versiegelt das Problem nicht, sie macht es nur bunter. Klären Sie in einer Mietwohnung vorher mit dem Vermieter, ob die Veränderung beim Auszug bleiben darf.
Die richtige Farbe
| Farbe | Belastbarkeit | Einsatz |
| 2K-Epoxidharz- oder 2K-PU-Beschichtung | hoch | Flur, Küche, Bad außerhalb der Dusche |
| Spezieller Fliesenlack (1K) | mittel | wenig begangene Räume, Gäste-WC |
| Kreidefarbe mit Klarlack | gering bis mittel | dekorative Flächen, Wandfliesen |
| Normaler Wandlack, Dispersion | ungeeignet | am Boden gar nicht |
Für Böden ist eine Zwei-Komponenten-Beschichtung die sicherste Wahl. Harz und Härter werden kurz vor dem Streichen gemischt und härten chemisch aus. Die Schicht wird dadurch deutlich härter und abriebfester als ein Lack, der nur trocknet. Die Kehrseite: Die angemischte Menge muss innerhalb der angegebenen Topfzeit verarbeitet sein. Details zu den Produkten finden Sie unter Fliesenlack und Fliesenfarbe.
Kreidefarbe ist beliebt, weil sie matt und wohnlich aussieht. Am Boden braucht sie unbedingt einen strapazierfähigen Klarlack als Schutzschicht und mindestens zwei Anstriche, sonst schimmert der alte Fliesenspiegel durch.
Werkzeug und Material
- Grundreiniger oder Fliesenreiniger zum Entfetten
- Schleifpapier oder Schleifvlies, etwa Körnung 120
- Haftgrund, passend zur Beschichtung
- Kurzflor- oder Schaumstoffrolle, Pinsel für Ecken und Fugen
- Malerkrepp, Abdeckfolie
- Handschuhe, bei 2K-Produkten Atemschutz nach Herstellerangabe
Komplettsets mit Haftgrund, Farbe und Werkzeug kosten etwa 60 bis 160 Euro, je nach Fläche und System.

Vorbereitung entscheidet über die Haltbarkeit
Ungefähr achtzig Prozent des Ergebnisses entstehen, bevor die erste Farbe auf den Boden kommt. Fliesen sind glatt, oft über Jahre mit Pflegemitteln behandelt und in den Fugen verschmutzt. Genau daran scheitert die Haftung.
- Reinigen. Mit Grundreiniger gründlich schrubben, besonders Fugen und Ränder. Mit klarem Wasser nachwischen.
- Reparieren. Ausgebrochene Fugen neu verfugen, einzelne lockere Fliesen neu verkleben. Silikonfugen entfernen – Farbe hält auf Silikon nicht.
- Anschleifen. Glasierte Fliesen mit Schleifvlies oder feinem Schleifpapier aufrauen, bis die Oberfläche matt ist.
- Staub entfernen. Absaugen und feucht nachwischen, dann vollständig trocknen lassen.
- Abkleben. Sockelleisten, Türzargen und Übergänge abkleben.
Streichen Schritt für Schritt
- Haftgrund auftragen. Dünn und gleichmäßig mit der Rolle, Fugen mit dem Pinsel. Je nach Produkt kann das Trocknen bis zu 24 Stunden dauern.
- Erste Farbschicht. In Bahnen vom hinteren Raumende zur Tür rollen. Dünn arbeiten, denn dicke Schichten bilden Nasen und trocknen schlecht durch.
- Zwischenschliff, falls der Hersteller ihn vorsieht, danach Staub entfernen.
- Zweite Farbschicht. Quer oder in gleicher Richtung wie die erste, je nach Anleitung.
- Versiegeln, wenn das System einen Klarlack vorsieht, etwa bei Kreidefarbe.
Rutschfestigkeit nicht vergessen
Eine glänzende Beschichtung ist in Bad und Flur rutschig, besonders mit nassen Füßen. Viele Systeme bieten ein Antirutsch-Granulat an, das in die letzte Schicht eingerührt oder aufgestreut wird. Die Oberfläche wird dadurch leicht rau, aber deutlich sicherer. Für den Boden einer bodengleichen Dusche eignet sich ein Anstrich generell nicht; ständige Nässe und Seifenreste lösen ihn früher oder später ab.
Betonoptik und andere Ideen
Wer die Fliesenoptik ganz verschwinden lassen will, wählt ein helles oder mittleres Grau und streicht die Fugen gleich mit. Das ergibt eine ruhige Fläche, die an Beton erinnert. Ganz ohne Fugenraster gelingt Betonoptik nur mit einer Spachteltechnik, die die Fugen erst füllt. Mutige setzen auf Muster mit Schablonen, etwa im Stil von Zementfliesen. Hier gilt: Die Deckschicht muss trotzdem die strapazierfähige Beschichtung sein.
Wie lange es hält
Zwei-Komponenten-Beschichtungen halten bei normaler Beanspruchung einige Jahre, Kreidefarbe mit Lack deutlich kürzer. Begehbar ist die Fläche meist nach einem Tag, voll belastbar oft erst nach etwa einer Woche. Stellen Sie schwere Möbel erst dann zurück, und legen Sie Filzgleiter unter Stuhlbeine. Kleine Abplatzer lassen sich später mit Restfarbe ausbessern, wenn Sie etwas davon aufbewahren.
Alternativen zum Anstrich
Wenn Streichen nicht passt, gibt es andere Wege ohne Abriss: Fliesen mit Vinyl überkleben oder Klick-Vinyl schwimmend darüber verlegen. Beides hält mechanisch mehr aus als Farbe, erhöht aber den Boden um einige Millimeter – an Türen kann das ein Kürzen der Türblätter bedeuten. Mehr dazu unter Fliesen überkleben.
Häufige Fragen
Kann ich die Fugen mitstreichen?
Ja, das ist sogar üblich. Die Fugen müssen dafür sauber und intakt sein. Wer die Fugen farblich absetzen will, nimmt danach einen Fugenstift.
Wie lange muss ich warten, bis ich wischen kann?
Feucht wischen meist nach einer Woche, bis dahin nur trocken kehren. Scharfe Reiniger und Scheuermilch greifen auch eine ausgehärtete Beschichtung an.
Lohnt es sich, einen Maler zu beauftragen?
Bei großen Flächen und bei 2K-Systemen oft ja, weil die Verarbeitung Übung verlangt. Fragen Sie ausdrücklich nach einer Bodenbeschichtung, nicht nach einem Anstrich.



