Pneumatischer Bohrhammer

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Ein pneumatischer Bohrhammer ist in fast allen Fällen das, was man im Baumarkt schlicht Bohrhammer nennt: eine Elektromaschine, deren Schlagwerk mit einem Luftpolster arbeitet. Das elektropneumatische Schlagwerk bringt bei wenig Anpressdruck viel Schlagenergie ins Gestein – der Grund, warum ein Bohrhammer in Beton mühelos arbeitet, wo die Schlagbohrmaschine rattert und kaum vorankommt. Daneben gibt es echte Druckluft-Bohrhämmer, die mit einem Kompressor laufen und im Steinbruch oder Bergbau arbeiten.
So arbeitet das Luftpolster
Im Bohrhammer bewegt ein Kurbeltrieb einen Kolben in einem Zylinder hin und her. Vor dem Kolben sitzt ein zweiter, frei beweglicher Schläger. Zwischen beiden ist Luft eingeschlossen. Bewegt sich der Kolben nach vorn, wird die Luft verdichtet und schleudert den Schläger gegen den Bohrer. Bewegt er sich zurück, saugt der Unterdruck den Schläger wieder an.
Der Bohrer wird dadurch nicht nur gedreht, sondern bekommt tausende harte Schläge pro Minute. Weil die Energie vom Luftpolster und nicht vom Anpressdruck kommt, müssen Sie kaum drücken. Bei der Schlagbohrmaschine reiben dagegen zwei Rastenscheiben aneinander; die Schlagwirkung hängt stark davon ab, wie fest Sie sich gegen die Maschine stemmen.
Joule: die entscheidende Zahl
Die Einzelschlagenergie wird in Joule angegeben und sagt mehr über die Leistung als die Wattzahl.
| Schlagenergie | Aufnahme | Typische Arbeiten |
| 1–2 J | SDS-plus | Dübellöcher bis 8 mm, Akkugeräte, Überkopf |
| 2–3,5 J | SDS-plus | Löcher bis etwa 20 mm, leichte Meißelarbeiten, Allround |
| 5–8 J | SDS-max | Kernbohrungen, Durchbrüche, Stemmen von Fliesen |
| über 10 J | SDS-max | Abbruch, große Durchbrüche |
Für den Haushalt ist ein SDS-plus-Gerät mit 2 bis 3 Joule die richtige Wahl. Leichtere Geräte sind angenehmer, stoßen aber bei Stahlbeton und größeren Bohrdurchmessern schnell an Grenzen. Achten Sie darauf, dass die Joule-Angabe nach dem EPTA-Verfahren gemessen wurde – nur dann sind die Werte verschiedener Hersteller vergleichbar.
SDS-plus und SDS-max
Beide Aufnahmen haben Nuten im Schaft, in denen der Bohrer längs beweglich gehalten wird. So kann der Schläger den Bohrer direkt treffen, ohne das Futter mitzuschlagen. SDS-plus hat einen 10-mm-Schaft und ist Standard bis etwa 26 mm Bohrdurchmesser. SDS-max mit 18-mm-Schaft ist für schwere Maschinen. Die beiden Systeme passen nicht untereinander.
Drei Betriebsarten
- Bohren ohne Schlag für Holz und Metall – mit Wechselfutter oder Adapter.
- Hammerbohren für Beton, Kalksandstein und Naturstein.
- Meißeln ohne Drehung, zum Stemmen von Schlitzen, Abschlagen von Fliesen oder Putz. Nicht jeder Bohrhammer kann das; mehr dazu bei Bohrhammer mit Meißel.
Für lochsteinhaltiges Mauerwerk wie Hochlochziegel schalten Sie den Schlag ab. Sonst zerschlägt der Bohrer die Stege, und der Dübel hat keinen Halt.

Der echte Druckluft-Bohrhammer
In Steinbrüchen, im Tunnelbau und beim Gesteinsabbau arbeiten Bohrhämmer, die direkt mit Druckluft angetrieben werden. Sie hängen an großen Baukompressoren, sind sehr robust und kommen ohne Elektrik aus – ein Vorteil bei Nässe und in explosionsgefährdeter Umgebung. Für den Hausgebrauch spielen sie keine Rolle; der kleinere Bruder für Abbrucharbeiten ist der Presslufthammer.
Worauf Sie beim Kauf achten
- Schlagenergie nach EPTA als wichtigstes Kriterium.
- Gewicht: 2 bis 3 kg sind für SDS-plus angenehm. Schwerer wird es über Kopf mühsam.
- Vibrationsdämpfung: Geringere Vibrationswerte in m/s² schonen Hände und Gelenke.
- Überlastkupplung: Sie rastet aus, wenn der Bohrer auf Bewehrung trifft und blockiert. Ohne Kupplung schlägt die Maschine Ihnen das Handgelenk um.
- Rechts-/Linkslauf und Drehzahlregelung.
- Seitlicher Handgriff mit Tiefenanschlag.
- Akku oder Kabel: 18-V-Akkugeräte sind für die meisten Arbeiten ausreichend; für viele große Löcher am Stück ist das Kabelgerät ausdauernder.
Schritt für Schritt bohren
- Leitungen prüfen. Mit einem Leitungssucher oder anhand der Installationszonen nach DIN 18015-3 – senkrecht über und neben Steckdosen und Schaltern verlaufen häufig Kabel.
- Bohrer einsetzen, Schaft vorher leicht fetten. SDS-Bohrer rasten beim Einschieben ein.
- Tiefenanschlag einstellen: Dübellänge plus etwa 10 mm.
- Ohne Schlag anbohren, bis der Bohrer geführt ist, dann Schlag zuschalten.
- Leicht andrücken, nicht stemmen. Das Schlagwerk erledigt die Arbeit.
- Bohrloch ausblasen oder aussaugen, bevor der Dübel hineinkommt.
Typische Fehler
- Zu viel Druck. Das dämpft das Luftpolster, der Bohrfortschritt sinkt.
- Stumpfe Bohrer. Eine stumpfe Hartmetallschneide erzeugt Hitze und Vibration statt Bohrmehl.
- Kein Gehörschutz. Bohrhämmer liegen über 90 dB(A).
- Schaft nicht gefettet. Der Verschleiß an Bohrer und Aufnahme steigt deutlich.
Häufige Fragen
Was kostet ein Bohrhammer?
Einfache SDS-plus-Geräte gibt es ab etwa 50 Euro, solide Heimwerkergeräte kosten 100 bis 200 Euro, Profimaschinen 250 bis 600 Euro.
Wie viel Joule brauche ich wirklich?
Für Dübellöcher bis 10 mm genügen 1,5 bis 2 Joule. Wer auch Durchbrüche und größere Löcher in Stahlbeton plant, sollte 2,5 bis 3,5 Joule wählen.
Kann ich mit dem Bohrhammer in Fliesen bohren?
Ja, aber ohne Schlag und mit einem Fliesen- oder Glasbohrer. Erst wenn die Fliese durch ist, wird für die Wand dahinter der Schlag zugeschaltet. Mehr dazu bei Beton bohren.



