Raumluftunabhängiger Kaminofen

Inhalt10 Abschnitte
Ein raumluftunabhängiger Kaminofen holt seine Verbrennungsluft über eine eigene Leitung von außen, statt sie dem Wohnraum zu entnehmen. In dichten Neubauten mit Lüftungsanlage ist das oft die einzige Bauart, die der Schornsteinfeger überhaupt abnimmt. Der Ofen selbst sieht aus wie jeder andere – der Unterschied steckt in der Dichtheit und im Luftanschluss.
Warum ein normaler Ofen im Neubau Ärger macht
Ein klassischer Kaminofen ist raumluftabhängig: Er saugt die Luft zur Verbrennung aus dem Aufstellraum. In einem alten, zugigen Haus strömt diese Luft durch Fugen nach. In einem modernen, luftdichten Gebäude fehlt sie.
Gefährlich wird es, wenn gleichzeitig eine kontrollierte Wohnraumlüftung, eine Dunstabzugshaube mit Abluft oder ein Wäschetrockner mit Abluft laufen. Sie erzeugen Unterdruck im Raum. Dann kann der Unterdruck die Abgase aus dem Ofen zurück in die Wohnung ziehen, und mit ihnen Kohlenmonoxid, das man weder riecht noch sieht.
Wie die Luftzufuhr funktioniert
Der raumluftunabhängige Ofen hat einen Stutzen für die Verbrennungsluft, meist hinten oder unten. Von dort führt eine Leitung ins Freie. Üblich sind drei Wege:
- Durch die Außenwand, wenn der Ofen an einer Außenwand steht. Kurz und einfach.
- Durch den Boden aus dem Keller oder über einen Kanal unter der Bodenplatte, der ins Freie führt.
- Über ein Luft-Abgas-System (LAS), einen Schornstein mit zwei Zügen: innen gehen die Abgase hinaus, im Ringspalt drumherum strömt Frischluft herein und wird dabei vorgewärmt.
Die Leitung muss so bemessen sein, wie der Hersteller es vorgibt. Zu lang oder mit zu vielen Bögen, und der Ofen bekommt zu wenig Luft.

Was die DIBt-Zulassung bedeutet
Ein Luftanschlussstutzen allein macht einen Ofen noch nicht raumluftunabhängig. Entscheidend ist, dass Tür, Aschekasten und Gehäuse so dicht sind, dass bei Unterdruck im Raum keine Abgase austreten. Das wird geprüft, und in Deutschland bescheinigt es eine allgemeine bauaufsichtliche Zulassung des Deutschen Instituts für Bautechnik (DIBt).
Mit dieser Zulassung darf der Ofen in der Regel zusammen mit einer Lüftungsanlage betrieben werden. Ohne sie verlangt der Schornsteinfeger meist eine Sicherheitseinrichtung wie einen Differenzdruckwächter, der die Lüftungsanlage abschaltet, sobald der Unterdruck zu groß wird. Achten Sie beim Kauf also auf die Zulassungsnummer im Datenblatt, nicht auf Werbebegriffe.
Wann er sinnvoll ist
- Passivhaus und KfW-Effizienzhaus mit luftdichter Hülle.
- Häuser mit kontrollierter Wohnraumlüftung.
- Offene Küchen mit Ablufthaube im selben Luftverbund wie der Ofen.
- Sanierte Altbauten mit neuen, dichten Fenstern, in denen der alte Ofen schlecht zieht.
In einem unsanierten Altbau ohne Lüftungsanlage ist er möglich, aber nicht nötig.
Die richtige Leistung
Hier passieren die meisten Fehlkäufe. Ein gut gedämmtes Haus braucht wenig Wärme; ein Ofen mit 8 oder 10 kW heizt das Wohnzimmer in kurzer Zeit auf 28 °C. Man drosselt dann die Luft, das Holz verbrennt unvollständig, die Scheibe verrußt und der Schornstein versottet.
Für Niedrigenergie- und Passivhäuser sind 4 bis 6 kW meist genug. Manche Hersteller bieten Öfen mit besonders kleiner Leistung genau für diese Häuser an. Lassen Sie den Wärmebedarf vom Energieberater oder Ofenbauer grob berechnen, bevor Sie sich nach der Optik entscheiden.
Luftgeführt oder wasserführend
Ein luftgeführter Ofen gibt seine Wärme direkt an den Raum ab. Ein wasserführender Ofen hat eine Wassertasche, die einen Teil der Wärme an den Heizungspuffer abgibt. Das verteilt die Wärme im Haus und verhindert, dass der Aufstellraum überhitzt. Der Anschluss an die Heizung ist aber aufwendiger und Sache des Heizungsbauers. Mehr dazu bei Holzofen wasserführend.
Der Schornsteinfeger muss vorher ran
Vor der ersten Inbetriebnahme nimmt der bevollmächtigte Bezirksschornsteinfeger die Anlage ab. Er prüft Schornstein, Abstände zu brennbaren Bauteilen, Luftzufuhr und das Zusammenspiel mit der Lüftungsanlage. Sprechen Sie ihn schon in der Planung an – er weiß, was er abnehmen wird und was nicht, und das spart teure Umbauten.
Außerdem muss der Ofen die Grenzwerte der 1. BImSchV für Feinstaub und Kohlenmonoxid einhalten. Neue Öfen tun das, bei gebrauchten Geräten sollten Sie nachfragen.
In Betrieb: worauf Sie achten sollten
- Nur trockenes Holz mit unter 20 Prozent Restfeuchte verbrennen. Wo Sie es bekommen, steht unter Kaminholz kaufen.
- Von oben anzünden. Anzünder und dünnes Holz oben auf die dicken Scheite, dann brennt das Feuer sauber nach unten ab.
- Tür nur zum Nachlegen öffnen und erst, wenn das Feuer zu Glut heruntergebrannt ist.
- Einen CO-Melder im Aufstellraum anbringen. Er kostet wenig und warnt, falls doch einmal Abgas austritt. Einzelheiten beim CO-Melder.
Was er kostet
Raumluftunabhängige Kaminöfen mit DIBt-Zulassung gibt es ab etwa 700 Euro, gut ausgestattete Modelle mit Speichersteinen oder Verkleidung aus Naturstein kosten 2000 bis 4000 Euro. Dazu kommen Schornstein oder Anschluss, die Luftleitung, Montage und die Abnahme. Ein neues Luft-Abgas-System kann teurer werden als der Ofen selbst.
Häufige Fragen
Kann ich meinen alten Ofen nachrüsten?
Einen Luftanschluss nachzurüsten macht den Ofen nicht dicht genug. Raumluftunabhängig ist nur ein Ofen, der als solcher geprüft und zugelassen ist.
Brauche ich trotzdem einen Differenzdruckwächter?
Das entscheidet der Schornsteinfeger je nach Lüftungsanlage und Zulassung. Bei vielen Kombinationen ist er nicht nötig, bei manchen schon.
Funktioniert er auch ohne Lüftungsanlage?
Ja, er funktioniert in jedem Haus. Der Vorteil, dass kein Luftzug durch die Wohnung entsteht, bleibt auch dann.


