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Heimwerker-Berater

Sickerschacht aus Kunststoff

Gartenvon Christoph4 Min. · 9 Abschnitte
Sickerschacht aus Kunststoff
Inhalt9 Abschnitte
  1. Wann ein Sickerschacht sinnvoll ist
  2. Kunststoff oder Beton
  3. Der Boden entscheidet
  4. Wie groß er sein muss
  5. Abstände und Grundwasser
  6. Erlaubnis und Vorschriften
  7. Einbau Schritt für Schritt
  8. Typische Fehler
  9. Häufige Fragen

Ein Sickerschacht nimmt Regenwasser vom Dach auf und gibt es nach und nach an den Boden ab. Kunststoffschächte sind leicht, schnell eingebaut und können von einer Person gesetzt werden – anders als Betonringe, für die ein Bagger nötig ist. Ob ein Sickerschacht funktioniert, entscheidet aber nicht das Material, sondern der Boden. In Lehm oder Ton läuft er voll und bleibt voll.

Sickerschacht aus Kunststoff einbauen
Foto: Pixinooo / Depositphotos.com

Wann ein Sickerschacht sinnvoll ist

Wer Regenwasser auf dem eigenen Grundstück versickert, spart in vielen Gemeinden die Niederschlagswassergebühr, die nach versiegelter Fläche berechnet wird. Bei Neubauten ist die Versickerung oft sogar vorgeschrieben. Der Sickerschacht ist dabei die platzsparende Lösung: Er versickert punktuell in der Tiefe.

Wo genug Platz ist, gilt die Versickerung über eine flache Mulde im Rasen als die bessere Variante, weil der belebte Oberboden das Wasser reinigt. Sickerschacht und Rigole kommen zum Zug, wenn der Platz fehlt oder die oberen Bodenschichten dicht sind.

Kunststoff oder Beton

Kunststoff
  • Leicht, von Hand einzubauen
  • Modular erweiterbar, oft als Sickerblock
  • Hohes Speichervolumen je Kubikmeter Grube
  • Nicht jeder Schacht ist befahrbar
Betonringe
  • Sehr robust und befahrbar
  • Günstig pro Ring
  • Schwer, Bagger oder Kran nötig
  • Weniger Speicherraum im Verhältnis zur Grube

Bei Kunststoff gibt es zwei Formen: Sickerschächte als runde, gelochte Röhre mit Deckel und Sickerblöcke oder Füllkörper-Rigolen, die sich wie Legosteine zu flachen, großen Speichern zusammenstecken lassen. Blöcke haben einen Hohlraumanteil von über 90 %, Kies nur etwa 30 %.

Der Boden entscheidet

Die Durchlässigkeit des Bodens wird als kf-Wert angegeben. Für eine Versickerung sind Werte zwischen etwa 10⁻³ und 10⁻⁶ m/s geeignet – also Sand und Kies bis schluffiger Sand. Lehm, Ton und Mergel sind zu dicht.

Einen groben Eindruck gibt ein Sickertest: Ein Loch von 30 × 30 cm etwa so tief ausheben, wie der Schacht später reicht, mit Wasser füllen, einmal versickern lassen, erneut füllen und messen, wie schnell der Pegel fällt. Sinkt er in einer Stunde kaum, ist der Standort ungeeignet. Für eine genehmigungspflichtige Anlage verlangen Behörden meist ein Bodengutachten.

Wie groß er sein muss

Bemessen wird ein Sickerschacht nicht nach dem Jahresniederschlag, sondern nach dem Starkregen: Der Schacht muss ein kurzes, heftiges Unwetter aufnehmen, während das Wasser langsam in den Boden abgeht. Grundlage dafür ist das Arbeitsblatt DWA-A 138. Die Rechnung hängt von der angeschlossenen Dachfläche, der örtlichen Regenstatistik und dem kf-Wert ab.

Viele Hersteller bieten Bemessungshilfen online an. Als grobe Orientierung werden für 100 m² Dachfläche bei gut durchlässigem Boden oft 1,5 bis 3 m³ Speichervolumen angesetzt, bei schlechterem Boden deutlich mehr. Rechnen Sie im Zweifel großzügig – ein zu kleiner Schacht läuft beim ersten Gewitter über.

Abstände und Grundwasser

  • Zum Gebäude: Bei unterkellerten Häusern mindestens das Anderthalbfache der Baugrubentiefe, in der Praxis meist 5 bis 6 m. Sonst drückt das Wasser gegen die Kellerwand.
  • Zur Grundstücksgrenze: Meist mindestens 2 m, je nach Landesrecht.
  • Zum Grundwasser: Zwischen Schachtsohle und höchstem Grundwasserstand sollte mindestens 1 m Boden liegen, damit das Wasser gefiltert wird.
  • Zu Brunnen und Bäumen: Ausreichend Abstand, damit Wurzeln den Schacht nicht durchwachsen.

Erlaubnis und Vorschriften

Einleiten von Regenwasser in den Untergrund ist eine Gewässerbenutzung. Ob sie erlaubnisfrei ist, regeln die Länder unterschiedlich; Sickerschächte brauchen häufiger eine Erlaubnis als Mulden. Fragen Sie bei der unteren Wasserbehörde oder der Gemeinde, bevor Sie graben. In Wasserschutzgebieten und auf Altlastenflächen ist Versickerung oft verboten. Wasser von Hofflächen, auf denen Autos gewaschen werden, gehört nicht in den Schacht.

Einbau Schritt für Schritt

  1. Grube ausheben, etwas größer als der Schacht, Sohle eben.
  2. Filterkies als Bettung einbringen, etwa 20 cm, Körnung 8/16 oder 16/32.
  3. Geotextil rundum auslegen, damit kein Feinboden in den Kies wandert.
  4. Schacht setzen und ausrichten, Zulaufrohr mit Gefälle anschließen.
  5. Seitlich mit Kies verfüllen, Vlies oben überschlagen, Oberboden aufbringen.
  6. Deckel so setzen, dass er zugänglich bleibt.

Vor den Schacht gehört ein Laubfang oder Filterschacht, sonst setzt sich der Sickerschacht mit Laub und Schlamm zu. Ein Dachrinnenschutz hilft zusätzlich.

Typische Fehler

  • Schacht in Lehm gesetzt. Er füllt sich beim ersten Regen und leert sich nie.
  • Nach Jahresniederschlag bemessen. Maßgeblich ist der Starkregen, nicht der Durchschnitt.
  • Kein Laubfang. Nach zwei Jahren ist der Kies verschlammt.
  • Zu nah am Keller. Das Wasser sucht sich den Weg an die Kellerwand.
  • Ohne Rückfrage gebaut. Eine nachträgliche Genehmigung ist mühsamer als eine vorherige.

Häufige Fragen

Was kostet ein Sickerschacht aus Kunststoff?

Schächte und Blöcke kosten je nach Größe etwa 150 bis 800 Euro, dazu Kies, Vlies und Rohre. Mit Erdarbeiten durch einen Betrieb sind schnell 1500 bis 3000 Euro erreicht.

Kann ich Regenwasser vorher sammeln?

Ja, das ist sogar sinnvoll: Regentonne oder Zisterne mit Überlauf in den Sickerschacht. So nutzen Sie das Wasser zuerst.

Muss der Schacht gewartet werden?

Laubfang regelmäßig leeren, Schacht einmal im Jahr kontrollieren. Steht nach Tagen noch Wasser darin, ist er zugesetzt oder der Boden ungeeignet.

Hilft ein Sickerschacht gegen nassen Rasen?

Nur, wenn das Wasser dort hineingeleitet wird. Für nasse Flächen ist eine Drainage das passendere Mittel.

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