Küchenoberschränke

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Oberschränke schaffen Stauraum, ohne Stellfläche zu kosten. Sie sind zugleich das Bauteil einer Küche, bei dem die meisten Planungsfehler passieren: zu hoch angebracht, zu tief gewählt, an einer Wand befestigt, die das Gewicht nicht trägt.
Die Maße, die feststehen
Küchen folgen einem Rastermaß. Wer sich daran hält, kann Module später tauschen und ergänzen.
| Maß | Übliche Werte |
| Korpushöhe Oberschrank | 36, 48, 72, 90 cm |
| Korpustiefe | 32–35 cm |
| Breite | 30, 40, 45, 50, 60, 80, 90, 100, 120 cm |
| Abstand Arbeitsplatte bis Unterkante | 50–60 cm |
Der Abstand zur Arbeitsplatte ist der wichtigste Wert. Unter 50 cm stoßen Sie beim Arbeiten mit dem Kopf an und größere Geräte passen nicht darunter. Über 60 cm erreichen kleinere Personen das oberste Fach nicht mehr.
Die Tiefe von 32 bis 35 cm ist kein Zufall: Tiefere Oberschränke ragen so weit in den Raum, dass man sich beim Arbeiten an der Platte daran stößt.
Als praktische Obergrenze gilt eine Greifhöhe von etwa 1,90 m über dem Boden. Alles darüber ist Lagerfläche für Dinge, die Sie zweimal im Jahr brauchen.
Die Wand ist das eigentliche Thema
Ein 100 cm breiter Oberschrank wiegt leer 20 bis 25 kg. Gefüllt mit Geschirr, Konserven und Vorräten kommen leicht 50 bis 70 kg zusammen. Diese Last hängt an zwei Aufhängern.
In Beton und Vollziegel genügen Nylondübel mit 8 mm und Schrauben mit 6 mm. In Lochziegel und Hohlblocksteinen brauchen Sie Langschaftdübel oder besser einen Injektionsanker – der normale Spreizdübel bricht die dünnen Stege im Stein auf und zieht dann heraus.
In Porenbeton gehören Spezialdübel für Porenbeton hinein, keine Standarddübel.
In Gipskarton ist die Platte selbst nicht tragfähig. Hier gibt es nur zwei zulässige Wege: Schrauben in die Unterkonstruktion, also in den Metall- oder Holzständer, oder eine durchgehende Montageschiene, die über mehrere Ständer verschraubt wird. Bei einer neuen Küchenplanung mit Trockenbauwand lässt man im Ständerwerk an der passenden Höhe ein Traglastprofil oder eine eingelassene Holzbohle einbauen – das ist beim Bau eine Kleinigkeit und später kaum nachzuholen.

Aufhängung und Ausrichtung
Moderne Oberschränke hängen an verstellbaren Schrankaufhängern, die innen in den Korpusecken sitzen. Sie lassen sich nach dem Aufhängen in Höhe und Tiefe justieren – ein paar Millimeter Spiel in jede Richtung.
Montiert wird über eine durchgehende Wandschiene, die einmal waagerecht ausgerichtet wird. Alle Schränke hängen sich dann automatisch auf derselben Höhe ein. Das ist der Grund, warum die Schiene mit der Wasserwaage oder besser mit einem Kreuzlinienlaser gesetzt werden sollte: Jeder Fehler hier zieht sich durch die ganze Küchenzeile.
Die Öffnungsarten
Drehtür. Der Klassiker, günstig und unkompliziert. Die offene Tür steht im Raum und kann bei schmalen Küchen im Weg sein.
Klappe nach oben. Gibt den ganzen Schrank frei und steht offen über Kopfhöhe. Braucht kräftige Beschläge und mehr Platz nach oben.
Falt-Lift. Die Front knickt in der Mitte und klappt nach oben. Braucht weniger Höhe als die durchgehende Klappe und gibt den Zugriff ebenso frei.
Schwenk-Lift und Parallel-Lift. Die Front fährt nach oben vor oder über den Korpus. Die komfortabelste und teuerste Lösung, sinnvoll vor allem bei sehr breiten Schränken.
Für Hochschränke über der Arbeitsplatte sind Klappen ergonomisch klar im Vorteil: Sie stehen nie im Weg und geben beide Hände frei.
Absenkautomatik
Ein Dämpfer im Scharnier fängt die Tür auf den letzten Zentimetern ab. Das schont die Beschläge, verhindert Lärm und eingeklemmte Finger.
Bei neuen Küchen ist das Standard. Ältere Schränke lassen sich nachrüsten: Aufschraubbare Dämpfer kosten wenige Euro je Tür und werden innen an den Korpus geklebt oder geschraubt. Bei Scharnieren gängiger Hersteller gibt es auch aufsteckbare Dämpfer direkt für das Scharnier.
Material
Beschichtete Spanplatte ist der Standard: günstig, pflegeleicht, in allen Dekoren. Die Kanten sind der Schwachpunkt – löst sich dort die Umleimerkante, zieht Feuchtigkeit in die Platte.
MDF lackiert ergibt fugenlose, glatte Fronten und lässt sich in jeder Farbe bestellen. Empfindlicher gegen Kratzer und Stöße an den Kanten.
Massivholz ist langlebig und reparabel, arbeitet aber bei Feuchtewechseln. Über dem Herd und neben der Spülmaschine ist das ein Thema.
Achten Sie in jedem Fall auf die Emissionsklasse der Holzwerkstoffe. In Deutschland verkaufte Ware muss die Anforderungen an Formaldehydemissionen einhalten; bei Importware ohne klare Kennzeichnung ist Vorsicht angebracht.
Beleuchtung darunter nicht vergessen
Die Unterseite des Oberschranks ist der beste Platz für die Arbeitsplatzbeleuchtung. Wer sie erst nachträglich plant, hat sichtbare Kabel.
Sinnvoll sind LED-Bänder oder flache Leuchten mit neutralweißem Licht um 4.000 Kelvin und einem guten Farbwiedergabeindex ab Ra 90 – in der Küche wollen Sie sehen, ob das Fleisch durch ist. Ein Kabelkanal an der Rückseite und eine Steckdose hinter dem Oberschrank gehören in die Planung.


