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Heimwerker-Berater

Lötzinn

Haus & Bauvon Christoph4 Min. · 9 Abschnitte
Lötzinn
Inhalt9 Abschnitte
  1. Weichlöten und Hartlöten
  2. Die gängigen Legierungen
  3. Das Flussmittel
  4. Welches Lötzinn wofür
  5. Regeln bei Wasserinstallationen
  6. Richtig löten, in Kurzform
  7. Gesundheit und Sicherheit
  8. Typische Fehler
  9. Häufige Fragen

Lötzinn ist eine Metalllegierung mit niedrigem Schmelzpunkt, die zwei Metallteile verbindet, ohne dass diese selbst schmelzen. Für Elektronik, Kupferrohr und Blech gibt es jeweils eigene Sorten. Die Wahl hängt an zwei Fragen: Wie heiß wird die Verbindung im Betrieb, und darf Blei hinein?

Weichlöten und Hartlöten

Die Grenze zwischen beiden liegt bei 450 °C Arbeitstemperatur. Darunter spricht man vom Weichlöten, darüber vom Hartlöten.

WeichlötenHartlöten
Temperaturunter 450 °C, meist 180–350 °Cüber 450 °C, meist 600–900 °C
LotZinnbasis, oft mit Kupfer oder SilberKupfer-Phosphor oder Silberlote
Festigkeitgering bis mittelhoch
WerkzeugLötkolben, Lötstation, Gaslötkolben, kleiner BrennerBrenner mit hoher Leistung
Typischer EinsatzElektronik, Wasserleitungen, DachrinnenGasleitungen, Kältetechnik, hoch belastete Verbindungen

Wenn im Alltag von Lötzinn die Rede ist, ist fast immer Weichlot gemeint.

Die gängigen Legierungen

Zinn-Blei, etwa Sn60Pb40, schmilzt bei rund 183 bis 190 °C, fließt hervorragend und war jahrzehntelang Standard in der Elektronik. Seit der RoHS-Richtlinie ist es in neuen Elektrogeräten weitgehend verboten, für Reparaturen und den Hobbybereich aber noch erhältlich.

Bleifreie Lote bestehen meist aus Zinn mit wenigen Prozent Kupfer, oft mit Silberzusatz. Sie schmelzen bei etwa 217 bis 230 °C, brauchen also eine heißere Lötspitze, und fließen etwas zäher. Die Lötstelle sieht matter aus – das ist kein Fehler.

Sn97Cu3 ist das übliche Weichlot für Kupferrohre in der Hausinstallation. Blei ist in Trinkwasserleitungen nicht zulässig.

Reparatur mit Loetzinn
Die Arbeiten einer Reparatur mit Lötzinn, eventuell mit einem Gaslötkolben, erfordern einige Vorsichtsmaßnahmen. | Foto: IgorVetushko / Depositphotos.com

Das Flussmittel

Metall ist an der Luft immer mit einer dünnen Oxidschicht überzogen, an der das Lot nicht haftet. Das Flussmittel löst diese Schicht während des Lötens und schützt die Stelle vor erneuter Oxidation.

  • Elektronik: Lötdraht mit Flussmittelseele aus Kolophonium. Es wirkt mild und muss meist nicht entfernt werden. Nie säurehaltiges Flussmittel an Elektronik – es korrodiert Leiterbahnen noch nach Jahren.
  • Kupferrohr: Lötpaste oder Lötfett für das Rohr, passend zum Lot. Reste nach dem Löten abwischen.
  • Blech und Zink: Lötwasser, ein stark wirksames, säurehaltiges Flussmittel. Reste müssen gründlich abgewaschen werden.

Welches Lötzinn wofür

  • Platinen, Kabel, Stecker: Lötdraht 0,5 bis 1 mm mit Flussmittelseele, bleifrei oder bleihaltig. Mit einer temperaturgeregelten Lötstation lassen sich beide sauber verarbeiten.
  • Kupferrohr für Wasser und Heizung: Stangen- oder Drahtlot Sn97Cu3 mit Lötpaste, erhitzt mit Brenner.
  • Dachrinnen und Zinkblech: Zinnlot mit höherem Bleianteil oder spezielle Zink-Lote, mit Lötwasser und Lötkolben.
  • Aluminium: Nur mit Spezialloten und Spezialflussmittel, siehe Alu löten.

Regeln bei Wasserinstallationen

Kupferrohre in der Trinkwasserinstallation dürfen weichgelötet werden, mit bleifreiem Lot. Hartlöten ist bei Trinkwasserleitungen aus Kupfer bis 28 mm Außendurchmesser nach den Regeln des DVGW nicht zulässig, weil das Ausglühen die Korrosionsbeständigkeit verschlechtert. Gasleitungen werden hartgelötet und sind grundsätzlich Sache eines eingetragenen Installationsbetriebs. Wer am Trinkwassernetz arbeitet, sollte sich der Verantwortung bewusst sein: Ein Fehler zeigt sich oft erst als Wasserschaden.

Richtig löten, in Kurzform

  1. Metall blank machen. Mit Schleifvlies oder Drahtbürste. Oxid, Fett und Farbe verhindern die Verbindung.
  2. Flussmittel auftragen, falls es nicht im Draht enthalten ist.
  3. Werkstück erhitzen, nicht das Lot. Das Lot wird an das heiße Werkstück gehalten und muss dort von allein schmelzen und in den Spalt fließen.
  4. Lot zugeben, bis die Stelle gefüllt ist, nicht mehr.
  5. Ruhig abkühlen lassen. Bewegt man die Teile beim Erstarren, entsteht eine matte, rissige „kalte“ Lötstelle.

Fehlerhafte Verbindungen lassen sich mit Entlötlitze oder einer Entlötpumpe wieder öffnen.

Gesundheit und Sicherheit

Der Rauch beim Löten stammt überwiegend aus dem verdampfenden Flussmittel. Er reizt Atemwege und Augen und sollte nicht eingeatmet werden. Arbeiten Sie bei guter Lüftung oder mit einer Rauchabsaugung. Bleihaltiges Lot verdampft bei Löttemperatur kaum, Blei gelangt aber über die Hände in den Körper – nach dem Löten Hände waschen, am Arbeitsplatz nicht essen oder trinken.

Lötkolben und Brenner erreichen Temperaturen, die Holz, Dämmstoffe und Kabelisolierungen entzünden. Einen Brenner nie ohne Hitzeschutzmatte neben Holzbalken oder Dämmung einsetzen.

Typische Fehler

  • Lot an die Lötspitze statt an das Werkstück gehalten. Das Lot tropft auf eine kalte Stelle und haftet nicht – die klassische kalte Lötstelle.
  • Nicht blank gemacht. Auf oxidiertem Kupfer perlt das Lot ab wie Wasser auf Wachs.
  • Zu viel Lot. Dicke Kugeln sehen solide aus, verdecken aber, ob die Verbindung darunter wirklich benetzt ist. In Rohren läuft überschüssiges Lot nach innen und verengt den Querschnitt.
  • Falsches Flussmittel. Lötwasser an einer Platine richtet Schaden an, der Monate später auftaucht.
  • Zu wenig Hitze bei dicken Teilen. Ein kleiner Elektroniklötkolben schafft kein 22er-Kupferrohr. Das Werkstück muss die Schmelztemperatur des Lots erreichen, sonst hält nichts.

Häufige Fragen

Bleifrei oder bleihaltig?

Für Neugeräte und alles, was mit Trinkwasser in Berührung kommt, bleifrei. Für Reparaturen an älterer Elektronik ist bleihaltiges Lot bequemer, weil es leichter fließt.

Was kostet Lötzinn?

Eine Rolle Elektronik-Lötdraht mit 100 g kostet etwa 5 bis 20 Euro, Stangenlot für Kupferrohre ähnlich. Silberhaltige Lote sind deutlich teurer.

Welche Temperatur braucht der Lötkolben?

Für bleihaltiges Lot etwa 300 bis 330 °C, für bleifreies 340 bis 380 °C an der Spitze. Zu heiß verbrennt das Flussmittel, bevor es wirkt.

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