Einen Apfelbaum richtig schneiden

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Ein Apfelbaum wird geschnitten, damit Licht in die Krone kommt, die Äste die Last der Früchte tragen und der Baum jedes Jahr Fruchtholz neu bildet. Ohne Schnitt vergreist er: viel Holz, wenig und kleine Äpfel. Die wichtigste Regel ist aber die umgekehrte: Ein zu starker Schnitt lässt den Baum im nächsten Jahr mit Wasserschossern explodieren.
Warum ein Apfelbaum geschnitten wird
Äpfel bilden sich an zwei- und mehrjährigem Holz, an kurzen Trieben, die Fruchtspieße oder Fruchtruten heißen. Diese Triebe brauchen Licht. In einer dichten Krone wachsen sie nur außen, innen bleibt der Baum kahl. Der Schnitt öffnet die Krone, lenkt das Wachstum und verhindert, dass Äste unter der Last brechen. Er sorgt auch dafür, dass Laub nach Regen schneller abtrocknet – das beugt Schorf und anderen Pilzkrankheiten vor.
Der richtige Zeitpunkt
| Schnitt | Zeitraum | Wirkung |
| Winterschnitt | Februar bis Anfang April, frostfrei | regt den Austrieb an, für Aufbau und Verjüngung |
| Sommerschnitt | Ende Juni bis August | bremst das Wachstum, fördert Blütenknospen |
| Herbst | nach der Ernte, bis Oktober | nur Auslichten einzelner Äste |
Schneiden Sie im Winter nicht bei Temperaturen unter etwa minus 5 Grad, das Holz splittert dann leicht. Der Sommerschnitt eignet sich vor allem für starkwüchsige Bäume, die zu viel Holz und zu wenig Frucht bringen.
Was das Naturschutzrecht sagt
Das Bundesnaturschutzgesetz verbietet vom 1. März bis 30. September starke Rückschnitte an Hecken und Gehölzen. Obstbäume im Hausgarten sind davon weitgehend ausgenommen, und schonende Pflegeschnitte sind ohnehin das ganze Jahr erlaubt. Unabhängig davon gilt: Sitzt ein Vogel im Nest, warten Sie mit dem Schnitt an diesem Ast.

Erziehungsschnitt beim jungen Baum
In den ersten fünf bis zehn Jahren wird die Krone aufgebaut. Das Ziel ist eine Pyramidenkrone mit einem Mitteltrieb und drei bis vier Leitästen, die schräg nach außen wachsen und gleichmäßig um den Stamm verteilt sind. Die Leitäste werden jeden Winter so eingekürzt, dass ihre Spitzen etwa auf gleicher Höhe liegen, der Mitteltrieb bleibt eine Handbreit darüber. Triebe, die mit den Leitästen konkurrieren, steil nach oben wachsen oder nach innen zeigen, kommen weg.
Beim jungen Baum lieber wenig und dafür jedes Jahr schneiden. Ein Baum, der drei Jahre verwildert, lässt sich nur mit starken Eingriffen zurückholen.
Erhaltungsschnitt beim tragenden Baum
Ist die Krone aufgebaut, geht es um Licht und Fruchtholz. Entfernen Sie jedes Jahr:
- Wasserschosser, die senkrecht aus Ästen nach oben schießen. Im Sommer lassen sie sich oft einfach abreißen, dann treiben sie weniger nach.
- Äste, die nach innen wachsen oder sich kreuzen und aneinander reiben.
- Totes, krankes und abgebrochenes Holz.
- Abgetragenes Fruchtholz, das nach unten hängt und nur noch kleine Äpfel trägt. Es wird auf einen jüngeren Seitentrieb abgeleitet.
Als Faustregel gilt: nicht mehr als etwa ein Viertel der Krone in einem Jahr.
Richtig schneiden: der Schnitt am Astring
Einen ganzen Ast nehmen Sie am Astring ab, dem leicht verdickten Wulst am Ansatz. Dort schließt der Baum die Wunde am besten. Ein Stummel stirbt ab und fault, ein Schnitt zu dicht am Stamm verletzt das Gewebe, das die Wunde überwallen soll. Einen Trieb kürzen Sie knapp über einer nach außen zeigenden Knospe, schräg, damit Wasser abläuft.
Schwere Äste sägen Sie in zwei Schritten: erst weiter außen von unten ansägen und von oben absägen, dann den Stummel sauber am Astring. So reißt keine Rinde ein. Wundverschlussmittel sind heute meist verzichtbar, allenfalls die Ränder großer Schnittflächen werden bestrichen.
Das passende Werkzeug
Für Triebe bis etwa 2 cm genügt eine scharfe Bypass-Gartenschere. Dickere Äste bis 4 cm schneidet eine Astschere, darüber eine Baumsäge mit Zugschnitt. Für hohe Kronen gibt es eine Teleskop-Astschere oder eine Stangensäge, die das Klettern erspart. Einen Überblick gibt Bäume beschneiden: diese Geräte erleichtern die Arbeit. Stumpfe Klingen quetschen das Holz, die Wunde heilt dann schlecht.
Alte Bäume verjüngen
Ein jahrelang vernachlässigter Baum lässt sich nicht in einem Winter retten. Verteilen Sie die Verjüngung auf drei bis vier Jahre: im ersten Jahr die größten Fehler wie Konkurrenzäste und Totholz, dann schrittweise das Auslichten der Krone. Jeder radikale Schnitt wird mit einem Wald aus Wasserschossern beantwortet, die dann wieder im Sommer entfernt werden müssen.
Sicherheit auf der Leiter
Die meisten Unfälle beim Baumschnitt passieren beim Sturz von der Leiter. Eine Obstbaumleiter mit breitem Fuß und einem Holm steht auf Rasen sicherer als eine Haushaltsleiter. Stellen Sie sie so, dass Sie nicht seitlich weit hinausgreifen müssen, und arbeiten Sie nicht über Kopf mit der Säge. Für Äste in großer Höhe ist ein Baumpfleger die sichere Wahl, siehe auch So gelingt das Absägen hoher Äste.
Häufige Fragen
Warum trägt mein Apfelbaum nur jedes zweite Jahr?
Das nennt man Alternanz. Nach einem Jahr mit sehr vielen Früchten bildet der Baum kaum Blütenknospen. Ausdünnen der Früchte im Juni auf einen Apfel je Büschel und ein regelmäßiger Schnitt gleichen das aus.
Muss ich Schnittwunden verschließen?
In der Regel nicht. Kleine Wunden schließt der Baum selbst. Bei großen Schnittflächen kann ein Wundverschluss am Rand die Überwallung unterstützen.
Kann ich auch im Herbst schneiden?
Leichtes Auslichten nach der Ernte ist möglich. Starke Schnitte im Herbst schwächen den Baum vor dem Winter und sind besser im Februar aufgehoben.



