Schieferplatten für das Dach

Inhalt10 Abschnitte
Ein Schieferdach hält, richtig gedeckt, weit über ein halbes Jahrhundert und oft deutlich länger. Dafür ist es teuer, schwer zu verlegen und stellt Ansprüche an Dachneigung und Unterkonstruktion. Wer über Schiefer nachdenkt, sollte die Deckarten kennen, die Kosten realistisch einschätzen und wissen, warum das eine Arbeit für den Dachdecker ist.
Was Dachschiefer ist
Schiefer ist ein Tonschiefer, ein metamorphes Gestein, das sich in dünne Platten spalten lässt. Die Platten werden auf Maß behauen oder geschnitten und in mehreren Millimetern Stärke verlegt. Anforderungen an Dachschiefer beschreibt die Norm EN 12326. Sie prüft unter anderem Wasseraufnahme, Frostbeständigkeit und den Anteil an Einschlüssen wie Pyrit, die später rosten und Flecken bilden können.
Schiefer für den deutschen Markt kommt aus deutschen Brüchen, etwa an Mosel und in Thüringen, und zu großen Teilen aus Spanien. Die Qualität schwankt je nach Bruch erheblich.
Die Deckarten
| Altdeutsche Deckung | Die klassische Deckung mit unterschiedlich großen, von Hand behauenen Steinen, die nach oben kleiner werden. Sehr handwerklich, sehr teuer, sehr schön. |
| Deutsche Deckung | Wie die altdeutsche, aber mit gleich großen Schablonensteinen. Ruhigeres Bild, günstiger. |
| Wilde Deckung | Steine in unregelmäßigen Formen und Größen, ohne festes Raster. Lebhaftes Bild, viel Erfahrung nötig. |
| Schuppen- und Bogenschnittdeckung | Gleich große Steine mit gerundetem Fuß. Häufig auf Türmen, Gauben und Fassaden. |
| Rechteck-Doppeldeckung | Rechteckige Platten in doppelter Überdeckung. Modern, geradlinig, kann auf Lattung verlegt werden. |
| Waben- und Spitzwinkeldeckung | Quadratische Steine mit gestutzten Ecken, diagonal verlegt. Oft an Giebeln und Kaminen. |

Mindestneigung und Unterkonstruktion
Schiefer braucht Gefälle, damit Wasser schnell abläuft und nicht über die Überdeckung zurückgedrückt wird. Die Regeldachneigung liegt je nach Deckart meist bei etwa 25 Grad, einige Deckarten sind etwas flacher zulässig. Unterhalb der Regeldachneigung verlangen die Fachregeln des Dachdeckerhandwerks Zusatzmaßnahmen wie ein wasserdichtes Unterdach.
Die meisten traditionellen Deckarten werden auf einer Vollschalung aus Brettern mit Vordeckung verlegt, befestigt mit Schieferstiften aus Kupfer oder Edelstahl. Rechteckdeckungen gehen auch auf Lattung mit Schieferhaken. Ein Umstieg von Ziegel auf Schiefer bedeutet also meist eine neue Unterkonstruktion. Das Gewicht liegt je nach Deckart grob im Bereich eines Ziegeldachs, der Dachstuhl muss es trotzdem sicher tragen.
Farben
Der typische Dachschiefer ist blaugrau bis schwarz. Daneben gibt es graue, grünliche und rötliche Sorten, seltener und teurer. Guter Schiefer behält seine Farbe über Jahrzehnte. Rostbraune Flecken sind ein Zeichen für oxidierende Einschlüsse – ein Qualitätsproblem, das die Norm begrenzen soll.

Vorteile und Nachteile
Dafür
| Dagegen
|
Was ein Schieferdach kostet
Schiefer gehört zu den teuersten Dachdeckungen. Mit Verlegung liegt der Quadratmeterpreis meist deutlich über 100 Euro, bei altdeutscher Deckung und komplizierten Dächern weit darüber. Der größte Kostenanteil ist die Arbeitszeit. Ein Vergleich mit Ziegeln ist nur über die Lebensdauer fair: Schiefer muss seltener erneuert werden, das gleicht einen Teil der Mehrkosten aus. Holen Sie mehrere Angebote von Betrieben ein, die Schieferarbeiten nachweislich ausführen. Hinweise zur Wahl der Dachform gibt Hausbau: die verschiedenen Dacharten.
Selbst verlegen?
Auf dem Wohnhaus in aller Regel nein. Schieferdecken ist ein eigenes Handwerk: Steine werden mit dem Schieferhammer passend behauen, Kehlen und Grate eingebunden, Überdeckungen je nach Neigung und Sparrenlänge berechnet. Fehler zeigen sich erst Jahre später als Durchfeuchtung. Dazu kommen Absturzgefahr und Gerüstpflicht. Kleine Flächen wie ein Gartenhaus, ein Vordach oder eine Gaubenwange lassen sich mit Rechteckschiefer und viel Geduld selbst decken; auch dann lohnt ein Gespräch mit dem Dachdecker.
Wartung
Ein Schieferdach braucht wenig, aber regelmäßige Aufmerksamkeit. Eine Sichtkontrolle alle ein bis zwei Jahre und nach schweren Stürmen genügt meist. Achten Sie auf verrutschte oder gebrochene Steine, lose Anschlussbleche und verstopfte Rinnen. Moos wächst auf Schiefer weniger als auf Beton, sollte aber nicht dauerhaft bleiben. Einzelne Steine tauscht der Dachdecker mit einem Schieferhaken aus, ohne die Fläche zu öffnen. Die Dachrinne sollte frei bleiben, siehe Dachrinne richtig reinigen.
Alternativen mit Schieferoptik
Faserzementplatten sehen Schiefer ähnlich, sind leichter und günstiger, halten aber nicht so lange. Achtung bei Altbauten: Faserzement aus der Zeit vor den 1990er-Jahren kann Asbest enthalten und darf nicht gebrochen, gebohrt oder abgeschliffen werden. Daneben gibt es Dachschindeln aus Bitumen in Schieferfarbe für Gartenhäuser und Nebengebäude.
Häufige Fragen
Was tun bei einem gebrochenen Stein?
Einen einzelnen Riss beobachten, einen gebrochenen oder fehlenden Stein zeitnah ersetzen lassen. Wasser, das unter die Deckung läuft, schädigt Schalung und Dämmung.
Kann man Schiefer wiederverwenden?
Gut erhaltene Steine lassen sich bei einer Neueindeckung teilweise wieder verwenden, etwa für Reparaturen oder Nebengebäude. Das hängt vom Zustand und von der Deckart ab.
Darf man auf Schiefer laufen?
Nur mit Dachleiter oder Laufbrettern. Schiefer bricht unter Punktlast. Wer aufs Dach muss, nutzt Einhängeleitern, siehe Dachleiter.



